Isch näem dor Viets

Es gibt ja kaum etwas, für das es keinen Aktionstag gibt. Heute ist der „Auf-Arbeit-Radeln“-Tag. Im Original ist es der „Bike-to-Work“ Day, wurde also mehr schlecht als recht übersetzt und klingt für mich, ehrlich gesagt, leicht bescheuert – ich wäre eher für den „Dor Vits mot möt“-Tag gewesen. 😉

Seit 1996 gibt’s diesen Tag als Teil eines ganzen Radfahrmonats –  bisher ist er allerdings nur in den USA und Kanada verbreitet. Aber auch hierzulande wird er mehr und mehr Thema. Wenn man mal dem Hashtag #aufarbeitradelntag auf Twitter folgt, dann merkt man, dass auch hierzulande nicht nur am 18.5. geradelt wird. So machen zum Beispiel AOK und ADFC jedes Jahr gemeinsam eine große Sommeraktion ‚Mit dem Rad zur Arbeit‘, an der sich auch im Rheinland unzählige Menschen beteiligen.

Dieser „Bike-to-Work“-Day ist also durchaus ein guter Tag, um über ein weiteres wichtiges Thema unserer Zeit und für Schwalmtal zu schreiben: die Verkehrswende und hier insbesondere der Umstieg aufs Rad.

Bild von Werner Lüders

In Deutschland fahren 50 Millionen Menschen Fahrrad, etwa 11 Millionen davon täglich. In unserer Region hat das Fahrradfahren eine lange Tradition und immer mehr Schwalmtaler*innen nutzen wieder das Fahrrad – und das sind längst nicht alles Radsportler beim RSC Schwalmtal.

Es gibt viele gute Gründe fürs Fahrradfahren

Radfahren ist gesund für Körper und Seele. Fahrradfahren macht und hält fit, für Sportmuffel ist es der ideale „Sportersatz“. Die körperliche Betätigung setzt aber auch Glückshormone frei. Gerade nach einem langen Tag im Büro fühlt man sich besser und ist glücklicher.

Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

Radfahren ist gut fürs Klima. Da muss man nicht mehr zu sagen. Vergleicht man den CO2-Ausstoß eines Fahrrades mit dem des Autos hat das Auto keine Chance. Gar keine.

Radfahren spart Geld, Platz und oft auch Zeit. Ein Fahrrad verursacht – abgesehen von Anschaffung und Wartung – kaum laufende Kosten. Man ist mit dem Rad häufig schneller als mit dem Auto – allein schon, weil die Parkplatzsuche entfällt.

Wir sind traditionell Radfahrland! Wenn man nicht am Niederrhein mit dem Rad fährt, wo dann? Uns verbindet auch hierbei viel mit unseren niederländischen Nachbarn, also sollten wir einen der vielen Vorteile unserer Landschaft nach wie vor nutzen.

Bild von pxby666 auf Pixabay

Meiner Meinung nach das Wichtigste: Wer möt dor Vits fährt, kriegt mehr mit! Wir sehen mehr und werden besser gesehen. Sich kurz was zurufen, mal eben anhalten und klängern – kein Problem. Wir atmen und riechen frische Luft, sehen und hören auch Kleinigkeiten, statt uns in einem rollenden Polstersessel durch Blech und Glas abzuschotten. Wir sind auf dem Rad also mit allen Sinnen in unserer Welt unterwegs – das ist für uns und unsere Welt viel besser.    

Die Förderung des Radverkehrs ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum klimaneutralen Verkehr. Natürlich sind wir alle uns vollkommen bewusst, dass ein Mobilitätsbaustein wie das Rad nicht den gesamten Mobilitäts- oder Transportbedarf abdecken kann. Das Radfahren ist lediglich ein Glied in der Kette. Aber das sollte uns nicht hindern, sein gesamtes Potenzial zu nutzen.

Bild von Jarkko Mänty auf Pixabay

Die Krise als Chance auch für Schwalmtal

Das Magazin ‚enorm‘ titelt: Die Krise als Chance für die Verkehrswende. Auch viele weitere Publikationen berichten darüber, dass die Corona-Pandemie den Fahrradhändlern einen ungeahnten Boom beschert hat. Das Rad sei ein Riesengewinner dieser Zeit, heißt es.

Damit die Vorliebe fürs Rad erhalten bleibt und auch dann noch vorherrscht, wenn wieder mehr Autos auf den Straßen sind, müssen wir spätestens jetzt handeln und die Infrastruktur und die Bedingungen für Radfahrer*innen verbessern. In Schwalmtal ist es zudem schon lange überfällig, dass wir die Schulwege sicherer machen.

Bild von Stephan Wusowski auf Pixabay

Wir müssen handeln

Denn laut Jahresrückblick der Polizei im Kreis Viersen waren in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 9202 Verkehrsunfälle pro Jahr im Kreis zu verzeichnen. Leider liegt die Zahl der verunglückten radfahrenden Kinder (134,77 Verunglückte auf 100.000 Einwohner) weit über dem Landesdurchschnitt (85,9). In Schwalmtal hatten wir in den letzten fünf Jahren jährlich jeweils ca. 50 Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Pro Unfall und seine Folgen sind durchschnittlich 100 Personen im sozialen Nahbereich betroffen. Wenn also seit Jahren auf unverändertem Niveau bis zu 5000 Schwalmtaler pro Jahr mit Verkehrsunfallfolgen zu tun haben, müssen wir handeln und in Schwalmtal die Verkehrssicherheit erheblich verbessern. Die „schwachen“ Verkehrsteilnehmer*innen – vor allem auch die Schulkinder – müssen dabei auf den entscheidenden Wegstrecken Vorrang erhalten. Wir brauchen sehr viel mehr Markierungen und eindeutige Raumzuweisungen. Zu einer nachhaltigen, modernen Mobilität gehören auch Fahrradstraßen, die das Radfahren für alle attraktiver und sicherer machen.

Bild von Ich bin dann mal raus hier. auf Pixabay

Der Kreis Viersen reagiert bereits auf die Unfallzahlen und stellt unter anderem mehr Mittel bereit für den Ausbau von Radwegen an Kreisstraßen. Wir freuen uns über den Ausbau des Radweges in Hagen und auch darüber, dass der Radweg an der Kreisstraße 9 in Schwalmtal-Ungerath erneuert werden soll. Diese Maßnahmen des Kreises sollten wir nun in Schwalmtal durch Eigenintiative verstärken.

1 Kommentar zu „Isch näem dor Viets“

  1. Pingback: Neue Mobilität? Zum Verkehr in Schwalmtal - Paul Lentzen - Bürgermeister für Schwalmtal -

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