Niederrheinisch-südfranzösische Freundschaft – seit 35 Jahren

Am 8. Mai feiert man Jahr für Jahr den „Tag der Befreiung“. 75 Jahre sind seit dem Ende des 2. Weltkrieges vergangen. Als Schwalmtaler denke ich in diesen Tagen dabei besonders an unsere Beziehung zu Frankreich. Damals waren Deutschland und Frankreich erbitterte Feinde. Heute sind unsere Länder Partner und der Elysee-Vertrag besiegelt die Deutsch-Französische Freundschaft nunmehr schon seit 1963. Eine Freundschaft, die wir auch auf kommunaler Ebene pflegen. Seit 1985 ist Ganges, eine südfranzösische Gemeinde mit etwa 4000 Einwohnern Partnergemeinde von Schwalmtal.

„Als Bürger Europas und als Menschen mit gemeinsamen Interessen haben die Einwohner der Gemeinde Ganges und der Gemeinde Schwalmtal den Wunsch zum Ausdruck gebracht, sich näher zu kommen.“

Aus der Urkunde zur Besiegelung der Städtepartnerschaft

Die Urkunde zur Besiegelung der Freundschaft zwischen Ganges und Schwalmtal wurde am 15. Juni 1985 in Ganges und dann drei Monate später am 13. September in Schwalmtal unterzeichnet.

Foto links: DHS Fototeam

Im Rahmen der Partnerschaft findet bis heute regelmäßig ein Schüleraustausch beider Kommunen statt. Von Schwalmtaler Seite ist es die Janus-Korczak-Realschule, die diese Partnerschaft pflegt. Und zu uns nach Schwalmtal kommen Schüler*innen des Collège Louise Michel in Ganges.

Vertreter der Kommunen haben sich auch bereits mehrfach gegenseitig zu Anlässen besucht. Zum 20jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft machte sich zum Beispiel im September 2010 eine ganz besondere Delegation von Schwalmtal aus auf den Weg nach Ganges. Eine Gruppe von RSC Schwalmtal wurde von Bürgermeister Schulz am Rathaus verabschiedet, bevor sie mit den Rädern nach Südfrankreich aufbrach.

Foto: DHS Fototeam

Besonders schöne Erinnerungen hat man in Schwalmtal auch an den Besuch in Ganges zu großen Jubiläumsfeierlichkeiten: Ganges 1900. (weitere Fotos hier auf der Facebook-Seite von Ganges 1900)

Fotos: DHS Fototeam

Der Partnerschaftsverein „Freunde der Partnerstadt Ganges e.V.“ unterstützt diese Partnerschaft und hat sich in der Vergangenheit sehr für ihren Fortbestand engagiert. Mitglied der ersten Stunde und einer der Initiatoren der Städtepartnerschaft ist Achim Schwabe aus Amern. Er weiß viel zu erzählen aus den letzten Jahrzehnten. Achim Schwabe erinnert sich:

Während eines Urlaubs ging ich zum Friseur. Während des Haareschneidens fragte mich dieser, woher ich käme. Ich antwortete: „Aus Deutschland und zwar aus der Gemeinde, die in Kontakt mit Ganges steht“. Er teilte daraufhin mit, dass er auch lange in Deutschland gelebt hat. Auf meine in diesem Moment unüberlegte Frage antwortete er: „Im Konzentrationslager Ravensbrück“. Weder er noch ich konnten für einige Minuten weiterreden. Den Kontakt haben wir weiter aufrecht gehalten, bis er jetzt sein Geschäft schloss und sich zurückgezogen hat. Wir haben auch später erfahren, dass er zunächst ein Gegner der Partnerschaft war, sie jedoch später engagiert unterstützt hat. Es war für mich besonders eindrucksvoll, als er bei dem ersten gemeinsamen Essen sagte: Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit Deutschen als Freunde am Tisch sitze. Seine Erlebnisse müssen sehr grausam gewesen sein, denn er sah sich nicht in der Lage, im Rahmen der Partnerschaft nach Schwalmtal zu kommen, weil die Erlebnisse von damals wieder in ihm hochkommen würden.“

„Über die noch bestehenden Grenzen hinweg wird diese Freundschaft einen Beitrag leisten zum besseren Verständnis zwischen dem französischen und dem deutschen Volke.“

Aus der Urkunde zur Besiegelung der Städtepartnerschaft

Erlebnisse wie diese zeigen sehr deutlich, wie wichtig solche grenzüberschreitenden Partnerschaften sind. Als Bürgermeister von Schwalmtal würde ich mich daher unbedingt dafür einsetzen, dass diese Städtepartnerschaft lebendig bleibt.

Fotos: Walter Krauleidis

„Die Aktivitäten sind weniger geworden,“ berichtet Achim Schwabe, „was hauptsächlich daran liegt, dass die Aktiven immer älter werden. Und die evangelische Kirchengemeinde hat sich ganz aus der Partnerschaft zurückgezogen,“ fügt er bedauernd hinzu. „Erfreulicherweise aber findet der Schüleraustausch nach wie vor statt.“ Außerdem organisiert der Verein französische Kochabende, trifft sich im Kaiserpark zum Boulespiel und ist jedes Jahr mit einem Stand auf dem Waldnieler Weihnachtsmarkt vertreten.

StädtePartnerschaft weiter vertiefen

Es wäre mir ein Anliegen, diese Partnerschaft zu Ganges weiter und wieder neu zu vertiefen. Aus Respekt vor der Vergangenheit und aus Verantwortung für unsere Zukunft. Auch für die touristischen Ambitionen der Gemeinde Schwalmtal ist ein Ausbau der Freundschaft zu dieser reizvollen südfranzösischen Gemeinde wünschenswert. Wir können gegenseitig voneinander profitieren, denn auch grenzüberschreitend gilt meine Maxime: Gemeinsam mehr erreichen. Und diese Maxime ist besonders reizvoll, wenn man sie wie bei dieser Städtepartnerschaft mit dem europäischen Gedanken der Völkerverständigung verbinden kann.

Konkret?

Ich denke, Spezialitäten und Produkte aus der jeweils anderen Region können unser Einzelhandelsangebot in dem ein oder anderen Geschäft bereichern und so auch hüben wie drüben zum Heimatshoppen einladen.

Eine Idee ist auch ein deutsch-französischer Monatsmarkt mit Beteiligung des Einzelhandels, der Spezialitäten anbietet. „Savoir vivre“ im Schatten des Rathauses. Ein solcher Markt wäre gleichzeitig bei der Wiederbelebung eines regelmäßigen Wochenmarktes hilfreich.

Foto: DHS FOTOTEAM

Im Rahmen meiner geplanten „Digitalisierungs- und Bildungsoffensive“ für Schwalmtal könnte man auch Französisch-Kurse online anbieten – und sei es auch nur, um den Gastfamilien der französischen Schüler*innen kleine Kommunikationshilfen an die Hand zu geben. Zukünftig – wir sind ja jetzt alle schon ein wenig erprobt – können auch Treffen zwischen Schwalmtal und Ganges online vorbereitet werden. Wenn man sich bereits öfter online gesehen hat, erhöht das die Lust auf einen realen Besuch.

Oder wir filmen den Empfang der Schüler aus Ganges im Rathaus Schwalmtal und lassen die Eltern in Ganges live daran teilhaben. Das könnte man auch mit anderen Anlässen machen, die für unsere Freunde und Freundinnen in Ganges interessant sein könnten. Ich denke an Musikveranstaltungen, Ausstellungen (Tage der Kunst) oder auch an Teile vom Neujahrsempfang. Auf einem gemeinsamen Instagram-Account könnten Schwalmtaler und Gangeoise Impressionen gesammelt werden.

Neue Mitglieder für den Verein

Um neue, junge Mitglieder für den Partnerschaftsverein „Freunde der Partnerstadt Ganges e.V.“ zu werben, würde ich als Bürgermeister eine Initiative starten. In deren Mittelpunkt könnte auch die Ideensammlung stehen: Was können wir in Schwalmtal für unsere Städtepartnerschaft tun? Wie können wir sie lebendig gestalten? Vielleicht sogar im Rahmen eines Gewinnspiels mit großartigem Hauptpreis: eine Reise nach Ganges.

Sicher haben die Freunde der Partnerstadt Ganges noch eine Menge weiterer Ideen. Lasst sie mich wissen – gemeinsam machen wir was draus.

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